TED-EU-Ausschreibungen 2026: CPV-Codes, Schwellenwerte & Bieten
Alles, was ein Anbieter braucht, um auf öffentliche EU-Aufträge zu bieten, die 2026 auf TED veröffentlicht werden.
Veröffentlicht: 2026-01-20 · Aktualisiert: 2026-08-14 · Autor: TenderYeti Editorial
Was ist TED
TED (Tenders Electronic Daily) ist die Online-Fassung des Supplements zum Amtsblatt der Europäischen Union, herausgegeben vom EU-Amt für Veröffentlichungen in Luxemburg. Es ist der einzige verpflichtende Veröffentlichungskanal für alle öffentlichen Auftragsbekanntmachungen oberhalb bestimmter Schwellenwerte in den 27 EU-Mitgliedstaaten, dem Europäischen Wirtschaftsraum (Norwegen, Island, Liechtenstein) und — über das Handels- und Kooperationsabkommen — bestimmten Aufträgen im Geltungsbereich des Nordirland-Protokolls des Vereinigten Königreichs.
TED veröffentlicht rund 750.000 Bekanntmachungen pro Jahr über Lieferungen, Dienstleistungen, Bauleistungen, Sektorenaufträge, Verteidigung und Konzessionen. Wer an eine europäische Behörde, einen staatlichen Versorger oder eine EU-Institution verkaufen will, findet auf TED jede Chance nennenswerter Größe förmlich angekündigt. Die Plattform ist kostenlos durchsuchbar, weltweit offen und über automatische Übersetzung in allen 24 EU-Amtssprachen verfügbar.
Wer auf TED bietet
TED deckt das gesamte Anbieteruniversum europäischer öffentlicher Auftraggeber ab. Die Bieter reichen vom Fortune-500-Verteidigungskonzern bis zur Zwei-Personen-Spezialberatung. Die stärksten Kategorien:
- Bau und Ingenieurwesen — Straßen, Krankenhäuser, Wasserinfrastruktur. Rahmenvereinbarungen sind üblich.
- IT und digitale Dienste — Cloud, Individualentwicklung, digitale Transformation, Cybersecurity. Wachstumsfeld.
- Professional Services — Recht, Prüfung, technische Beratung, Übersetzung, Schulung.
- Gesundheit und Medizin — Geräte, Arzneimittel, Krankenhausausstattung, Catering, Reinigung.
- Sektorenauftraggeber — Energie, Wasser, Verkehr, Post — separat von der EU-Sektorenrichtlinie mit anderen (höheren) Schwellenwerten geregelt.
Die Auftragswerte reichen vom Schwellen-Minimum (~139.000 € für Lieferungen der Zentralregierung) bis zu milliardenschweren EU-Rahmenvereinbarungen. Grenzüberschreitendes Bieten ist rechtlich geschützt — ein dänischer Anbieter bietet auf eine spanische Ausschreibung gleichberechtigt mit spanischen Anbietern, und der Auftraggeber darf eine lokale Niederlassung rechtlich nicht als Auswahlkriterium verlangen.
Registrierung Schritt für Schritt
Anders als SAM.gov verlangt TED selbst keine Registrierung zum Ansehen oder Suchen — Sie können ohne Konto stöbern. Für die eigentliche Angebotsabgabe verlangt aber jeder Auftraggeber typischerweise die Registrierung auf seiner nationalen E-Vergabe-Plattform.
- EU-Login-Konto anlegen (früher ECAS). Das Single Sign-on der EU-Institutionen. Kostenlos, 5 Minuten.
- TED-E-Mail-Alerts einrichten — TED hat native Suchagenten, deren Ranking aber stichwort-grob ist im Vergleich zu KI-Werkzeugen wie TenderYetis TED-Integration.
- Auf nationalen E-Vergabe-Plattformen registrieren, wenn Chancen es rechtfertigen — z. B. Frankreichs PLACE, Deutschlands e-Vergabe, Italiens ACQUISTI IN RETE, Spaniens PLACSP. Jede hat einen eigenen Ablauf, meist mit qualifizierter elektronischer Signatur (eIDAS-konform).
- Eine EEE vorbereiten. Die Einheitliche Europäische Eigenerklärung (ESPD) ist die Selbsterklärung, dass Sie die Standard-Auswahlkriterien erfüllen (keine Insolvenz, keine Vorstrafen, Steuern bezahlt usw.). Sie ist das Standard-Erstrundendokument der meisten EU-Vergaben — einmal entwerfen, pro Bid anpassen.
- EU-weit gültige qualifizierte elektronische Signatur besorgen. Die meisten Abgaben verlangen sie; die Anbieterwahl variiert je Mitgliedstaat.
Bekanntmachungstypen
- Auftragsbekanntmachung (Contract Notice, CN) — das eigentliche RFP. Frist typischerweise 30–52 Tage je nach Verfahren.
- Vorinformation (PIN) — Frühwarnung, dass eine Vergabe kommt, oft 6–12 Monate vorher. Pipeline-Signal.
- Vergabebekanntmachung (CAN) — Transparenz nach Zuschlag; dokumentiert Gewinner, Wert und unterlegene Bieter. Exzellente Competitive Intelligence.
- Wettbewerbsbekanntmachung — Architektur- und Kreativwettbewerbe.
- Änderungsbekanntmachung — dokumentiert wesentliche Vertragsänderungen nach Zuschlag (Pflicht seit Richtlinie 2014/24/EU).
- Konzessionsbekanntmachung — öffentlich-private Partnerschaften und langfristige Konzessionen (Autobahnen, Parken, Abfall).
- Freiwillige Ex-ante-Transparenzbekanntmachung (VEAT) — die Vorab-Begründung einer Direktvergabe. Auch „Standstill-Bekanntmachung“ genannt.
CPV-Codes und Schwellenwerte
Das CPV (Common Procurement Vocabulary) ist die EU-weite Produkt-/Dienstleistungsklassifikation aller TED-Bekanntmachungen. Jede trägt einen Haupt-CPV-Code (8 Ziffern plus Prüfziffer) und kann mehrere Zusatzcodes haben. Die Struktur ist hierarchisch:
- Abteilung (2 Stellen) — z. B. 48 = Softwarepakete und Informationssysteme
- Gruppe (3 Stellen) — 481 = Business- und Personal-Softwarepakete
- Klasse (4 Stellen) — 4820 = Software-Suiten
- Kategorie (5 Stellen) — 48200 = Netzwerk-, Internet- und Intranet-Software
- Tiefere Ebenen bis 8 Stellen für sehr spezifische Positionen.
Schwellenwerte (Zyklus 2024–2025, Aktualisierung 2026 erwartet), die eine TED-Veröffentlichungspflicht auslösen:
- Lieferungen und Dienstleistungen (Zentralregierung) — 143.000 €
- Lieferungen und Dienstleistungen (subzentral) — 221.000 €
- Bauleistungen — 5.538.000 €
- Sektorenauftraggeber, Lieferungen und Dienstleistungen — 443.000 €
- Konzessionen — 5.538.000 €
Unterhalb dieser Schwellen gilt nur nationales Vergaberecht ohne TED-Pflicht (die meisten Mitgliedstaaten veröffentlichen trotzdem national).
Fristen und Einreichung
Standardfristen je Verfahren:
- Offenes Verfahren — mindestens 35 Tage ab Veröffentlichung, verkürzbar auf 15 Tage bei vorheriger Vorinformation.
- Nicht offenes Verfahren — 30 Tage für den Teilnahmeantrag, dann 30 Tage für das Angebot nach der Shortlist. Mit Vorinformation verkürzbar.
- Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb — 30 Tage für den Teilnahmeantrag, verhandelter Zeitplan für Angebote.
- Wettbewerblicher Dialog — für komplexe Projekte; Zeitplan flexibel.
- Innovationspartnerschaft — für F&E-lastige Vergaben.
Die Abgabe erfolgt fast durchgängig digital über das nationale E-Vergabe-Portal des Auftraggebers. Eine eIDAS-konforme qualifizierte elektronische Signatur ist Standard. Verspätete Angebote lehnt das Portal automatisch ab — derselbe harte Cutoff wie bei SAM.gov, keine Kulanz.
Tipps für gewinnende Angebote
- Die Gewichtung der Zuschlagskriterien studieren. Auftragsbekanntmachungen veröffentlichen das Preis-Qualitäts-Verhältnis (z. B. 60/40 oder 40/60). Bei 60 % Qualität laden Sie Ihre Antwort auf die Qualitätsdarstellung; bei 60 % Preis schärfen Sie die Kalkulation.
- Die Stillhaltefrist nutzen. Nach der Zuschlagsmitteilung schreibt EU-Recht 10 Tage Stillstand vor Vertragsunterzeichnung vor. Wer verliert und einen Bewertungsfehler sieht, muss in diesem Fenster rügen.
- Auf Rahmen bieten, nicht auf Einmalverträge. EU-Rahmenvereinbarungen laufen 4–8 Jahre mit Einzelabrufen. Ein Gewinn, Jahre an Umsatz.
- Früh fragen. Q&A-Fenster schließen ~10 Tage vor Frist. Jede ungeklärte Unklarheit ist ein Risiko.
- Auf Konsortialanforderungen achten. Große EU-Ausschreibungen verlangen oft länderübergreifende Konsortien; Partner früh suchen.
- Vorteil Landessprache. TED übersetzt die Bekanntmachung, aber Angebote müssen meist in der Sprache des Auftraggebers eingereicht werden. Muttersprachliche Qualität zählt in der Bewertung.
- EU-finanzierte Referenzprojekte anführen. Vertrautheit mit EU-Haushaltsrecht, Berichtspflichten und Audit-Readiness ist ein Differenzierer, den Bewerter honorieren.
Häufige Fehler
- Fehlende elektronische Signatur. Angebote ohne gültige eIDAS-Signatur werden am Portal automatisch abgelehnt.
- CPV falsch interpretiert. Einen CPV-Code enger lesen als den tatsächlichen Umfang und passende Kategorien verpassen.
- EEE nicht aktualisiert. Eine veraltete Eigenerklärung mit alten Finanzzahlen ist ein häufiger Grund für formale Ablehnung.
- Verhältnismäßigkeitsgrundsatz ignorieren. EU-Vergaben sind an Verhältnismäßigkeit gebunden — unverhältnismäßige Auswahlkriterien sind angreifbar, aber nur fristgerecht.
- Keine Planung für lokale Präsenz. Manche Verträge erfordern nach Zuschlag praktisch ein lokales Büro; ohne Plan dafür zu bieten ist ein Warnsignal für Bewerter.
- Sprachqualität. Maschinell übersetzte Angebote schneiden bei Qualitätskriterien fast immer schlechter ab als muttersprachliche.
- Das Stillhaltefenster verpassen. Wer einen Zuschlag anfechten will, hat Tage, nicht Wochen. Fristgerecht rügen oder das Recht verlieren.
Wo TenderYeti ins Bild kommt
TEDs native Alerts pushen Bekanntmachungen nach CPV-Codes und Stichworten — gut für einen klar definierten Ein-Land-Anbieter, aber verrauscht für alle, die grenzüberschreitend oder in Nachbar-CPV-Kategorien bieten. TenderYeti indexiert den vollen TED-Strom, übersetzt Titel + Beschreibungen per NMT ins Englische (oder Ihre Arbeitssprache) und bewertet jede Bekanntmachung gegen eine natürlichsprachliche Beschreibung Ihres Geschäfts. Siehe unsere Live-TED-Abdeckung für aktuelles Volumen und Beispiel-Ausschreibungen — typischerweise 2.000+ neue Bekanntmachungen pro Tag.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich mich auf TED registrieren, um zu bieten?
Auf TED selbst nicht — Ansehen und Suchen sind vollständig öffentlich. Für die Angebotsabgabe registrieren Sie sich auf der nationalen E-Vergabe-Plattform des Auftraggebers (z. B. PLACE in Frankreich, e-Vergabe in Deutschland).
Können Nicht-EU-Unternehmen auf TED-Ausschreibungen bieten?
Ja, im Rahmen des WTO-Beschaffungsübereinkommens (GPA) und nationaler Beschränkungen. UK, Norwegen, Island, Liechtenstein, USA und weitere Länder haben wechselseitigen Zugang. Manche Verteidigungs- und Sicherheitsvergaben sind beschränkt.
Was ist eine EEE (ESPD)?
Die Einheitliche Europäische Eigenerklärung — eine Standard-Selbsterklärung, dass Sie die Auswahlkriterien erfüllen (Finanzkraft, keine Ausschlussgründe, technische Leistungsfähigkeit). Eine Vorlage deckt die meisten EU-Vergaben ab.
Sind TED-Ausschreibungen auf Englisch?
Die Bekanntmachung ist über automatische Übersetzung in allen 24 EU-Sprachen verfügbar, Angebote müssen aber typischerweise in der Landessprache des Auftraggebers eingereicht werden. Manche Vergaben von EU-Institutionen akzeptieren Englisch.
Was ist die Stillhaltefrist?
Mindestens 10 Kalendertage nach der Zuschlagsmitteilung bis zur Vertragsunterzeichnung. Das ist Ihr Fenster für rechtliche Einwände gegen Bewertung oder Verfahren.
Wie finde ich Rahmenvereinbarungen?
In der erweiterten TED-Suche können Sie nach Vertragstyp „Rahmenvereinbarung“ filtern. Viele langfristige Chancen leben in Rahmen statt in Einzelverträgen.
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